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Predigt beim Zunftgottesdienst – D. Bolz

Verspredigt für die Narren im Zunftgottesdienst 2019
Evangelium: Mk 2, 1-12

Ihr lieben Schwestern und auch Brüder,
die Fasnetszeit, die hat uns wieder.
Es wird geschunkelt ohne Enden,
sie hat uns fest in ihren Händen.
Die Leute lachen für paar Tage,
entfliehen so der Alltagsplage,
und während’s klingt von allen Rängen,
in schönen, heit’ren Grölgesängen,
da träumt ein jeder groß und klein,
es könnt auch alles anders sein.

Doch allen Menschen recht getan,
ist eine Kunst, die niemand kann.
So sagt ein Sprichwort voll Plaisier;
Wie wahr, wie wahr – so denk ich mir!
Heut‘ an der Fasnet soll’s gelingen,
Gegensätze zusammen zu bringen.

Denn wenn draußen in diesen Tagen alles schunkelt und lacht,
wenn jeder auf der Gass sich ganz närrisch mal macht,
da erwarten viele von mir hier, dem Frommen,
und damit ja auch möglichst viele zum Gottesdienst kommen,
dass ich vom Ambo humorvoll und wie,
das Wort verkünde mit Witz und Esprit!

Am besten noch mit der Zunft einmarschier,
und die Orgel schnell ’nen Tusch intonier.
Ja, ich müsst ein Feuerwerk der Tollerei hier abbrennen,
dann würden uns die Leut‘ sicher die Bude einrennen.

Doch manche meinen, ich soll das lieber lassen,
denn Fasnet und Gottesdienst, das würde nicht passen.
Während draußen die Narren auf der Gass sich austoben,
sollte hier drinnen Ruhe sein, um fromm Gott zu loben.
Fasnet und Lachen hat in der Kirch nichts verloren,
lieber Diakon, schreib dir das mal hinter die Ohren.

Nun bin ich aber, das hat sich gezeigt,
dem Fasnetstreiben nicht abgeneigt.
Ein Kompromiss wäre, so wie es mir scheint,
dass sich wenigstens heut‘ die Predigt mal reimt.
Und so will ich es auch dieses Jahr wagen,
und Euch die Frohe Botschaft in Versform vortragen.

Das bietet sich an, denn gerade heute,
hat’s das Evangelium in sich, ihr lieben Leute.
Da wird erzählt, wie Menschen sich drängen
und förmlich an Jesu Lippen hängen.
Und wie sie sich quetschen auf Brechen und Biegen,
um in der ersten Reihe noch einen Platz zu kriegen.
Jeder denkt nur an sich – selbst die überaus Frommen,
der Gelähmte hat keine Chance, hier durchzukommen.

Leider ist das heute schon längst nicht mehr so,
ja ich muss sagen, wie wäre ich froh,
wenn wenigstens hier drinnen die Kirch‘ wäre voll,
sogar noch draußen stehen? Mein Gott, das wär toll.
Aber seien wir ehrlich, so ist halt die Welt,
vielen ist der Zugang zu Jesus auch heute verstellt.

Gründe dafür, gibt’s haufenweise genug,
die passen selbst nicht unter den größten Hut.
Schauen wir nur mal, was die Zugänge verbaut,
es sind all die Skandale, wohin man nur schaut.
Was Diener der Kirche an Menschen verbrochen haben,
ist nicht zu entschuldigen und ein unsagbarer Schaden,
für’s Image der Kirche und uns – die Betroffenen – selbst,
ist doch vollkommen logisch, dass das keiner aushält;
dass Menschen sich abwenden? Verständlich – normal,
von solch einer Kirch‘ und solch Personal.

Drum sag als kleines Licht ich ganz frank und ganz frei,
die Missbrauchsverbrechen bringen unsere Kirche entzwei;
wenn wir den Schaden jetzt noch wollen begrenzen,
dann brauchen wir daraus deutlich Konsequenzen.
Verbrechen sind Verbrechen und keine Bagatelle,
drum müssen die Täter raus aus dem Dienst und zwar auf der Stelle;
müssen sich verantworten vor Gott und weltlicher Justiz,
nur dann macht es Sinn und nehmen die Leute Notiz.

Zu überlegen ist auch, was verändert kann werden,
ob nicht auch der Zölibat kann freigestellt werden.
Ich glaub die Menschen wären dankbar dafür,
denn die haben doch immer ein besonderes Gespür,
für das was ehrlich und gut funktioniert
oder was sie eher mit Grenzen konfrontiert.

Dann gehören Frauen in Ämter – das wäre famos,
auch wenn das einige Männer durchaus erbost.
Doch was ist denn unsere Kirche ohne Frauen und ihr wirken,
ja glaubt jemand tatsächlich, sie wären die schlechteren Hirten?

Dann gescheiterten Eheleuten eine zweite Chance geben,
denn liebenden Menschen gehört Gottes Segen;
das Brot des Lebens, die Kommunion, für all jene die glauben,
evangelischen Christen sollte man das längst schon erlauben.

Ihr seht, es gibt heute und in unserer Welt,
noch vieles, was den Zugang zu Jesus verstellt.
Deshalb ist es unsere Aufgabe vor allen Dingen,
Menschen in Berührung mit Christus zu bringen.
Denn das Evangelium sagt uns doch ganz klar auch heute:
Die Berührung mit Jesus, sie heilt und macht Freude.

Deshalb sind die wahren Helden vor allen Dingen,
die vier in dem Text, die den Gelähmten zu Jesus hinbringen.
Die Kirche muss so die Sehnsucht der Menschen erkennen,
dass ihnen kein Zugang verstellt ist, um zu Jesus zu können.
Es braucht Menschen in jedem Häs, die anpacken und tun,
ja, die in dieser Kirche heute nicht eher tun ruhn,
bis schlussendlich ein Weg ist für alle gefunden,
und kein Dach jemand abhält und auch keine Kirchensperrstunden.

Vielleicht sollten wir uns öfter auf diese 4 Männer besinnen,
denn wer nichts tut, der wird auch niemand für den Glauben gewinnen.
Wir sollten nicht nur jammern, dass zur Kirch immer weniger kommen,
überzeugen tun eben nicht nur die überaus Frommen.
Nein, Menschen die ihren Glauben im Alltag leben,
das sind die, die ein echtes Beispiel abgeben.
Und so Menschen mit Jesus in Berührung bringen,
so kann auch heute eine Gemeinde gelingen.

Dies Evangelium spricht nicht vom Ende, vom Sarg,
vielmehr macht es deutlich: Ihr seid gemeinsam erst stark.
Denn einem allein könnt‘ es niemals gelingen,
den Gelähmten übers Dach zu Jesus zu bringen.
Gemeinsam können wir überwinden die Krise,
das Evangelium lebt, so heißt die Devise!

Mag die Kirche manch Schrammen bekommen haben,
und mag auch so mancher über die Stimmung hier klagen;
wenn wir von dem überzeugt sind, was das Evangelium sagt,
dann ist mir nicht bange, denn dann wird gewagt,
Kirche und Glauben auch morgen zu leben,
und dazu gibt der Herrgott uns bestimmt seinen Segen.

So wünsch‘ ich närrische Tage, Euch meinen Frommen,
treibt’s nicht zu doll, dass keine Klagen mir kommen.
Ich höre jetzt auf, es ist nun genug
sonst macht mir vielleicht noch einer den frühen Abflug;
ich hoffe, es war für Euch hier alles im Rahmen,
so sagt jetzt am Schluss ein hörbares: Amen!

Bertram Bolz, Diakon