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Gedanken zur Krise

Feinde muss es nicht geben

Ein winziges Teilchen bringt die ganze Welt aus den Fugen. Das unsichtbare Teilchen heißt „Coronavirus-Covid 19“ und führt zu einer weltweiten, schweren Notlage. Das kann man nicht anders sagen. Alle Ausmaße können wir heute noch längst nicht richtig einschätzen.
Noch vor wenigen Tagen war es unvorstellbar, dass ganze Regionen, Städte und Länder geschlossen werden, dass kein Sport mehr stattfindet und Kindergärten, Schulen, Universitäten, Kirchen und Lokale schließen müssen. Arbeitsaufträge gehen zurück; Bestellungen werden nicht ausgeliefert oder nicht mehr angefertigt; viele Betriebe sind schon geschlossen. Die Frage nach einem Sommerurlaub wird sich für viele in diesen Wochen womöglich auch erledigen.
Alles zusammengenommen kommt es zu hohen wirtschaftlichen Schäden; von den Ängsten der Menschenseelen ganz zu schweigen. Es ist eine Heimsuchung; und zwar eine für die ganze Welt.

Jetzt spüren wir, wie sehr wir zusammengehören, wie sehr wir miteinander verwoben sind – und zwar wir alle: in China und Italien, in Deutschland und dem Iran, Australien und Frankreich. Wir sind tatsächlich eine Welt. Kein Land alleine kann „sein Ding“ machen, wie man so sagt oder wie manch Politiker über dem Atlantik zu meinen glaubt. Wir sind alle so vielfach verbunden, wie es manchen zwar schon immer klar war, wie wir es aber so wohl noch nie zuvor zu spüren bekommen haben.
Beinahe stündlich hören wir neue Nachrichten von der Anfälligkeit der Welt. Jeden Tag sagen uns Ärzte und Politikerinnen, wie wir uns zu verhalten haben, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen.

Das macht einerseits vielen Menschen große Sorgen, jeden Tag neu oder wieder. Andererseits kann es aber auch ein klein wenig Hoffnung machen, wenn man dies Wort überhaupt benutzen darf. Selbstverständlich dürfen wir nichts schön reden. Aber ein winziger Hoffnungsschimmer ist doch zu erkennen.
Würden alle Länder gemeinsam immer so denken und handeln, könnten wir vieles schaffen. Wir müssen keine Feinde sein, wir könnten gemeinsam kämpfen: gegen den Hunger in der Welt, gegen die weltweite Klimaerwärmung und für die vielen Menschen, die ihr Zuhause verloren haben und fliehen müssen. Wenn Länder und ihre Regierungen immer an das Wohl aller denken würden und nicht nur an sich selbst, könnten wir die größten Fragen lösen. Und zwar zügig.
Das ist mein Hoffnungsschimmer. Einzelne können zwar nur wenig dafür tun. Aber eins können wir tun. Wir können Gott jeden Tag und bei allen unseren Zusammenkünften, die noch sein dürfen, immer wieder für alle Verantwortlichen auf der Welt bitten (Psalm 43,3):

Sende dein Licht und Deine Wahrheit, dass sie uns leiten.

Bertram Bolz, Diakon